Konsum

Heute schon die Zukunft leben

Die Zukunft beginnt jetzt, immer der nächste Moment ist bereits Zukunft. Aber so konkret macht man es sich nicht unbedingt bewusst. Es sei denn, man betritt in der Würzburger Augustinerstraße das Zukunftshaus. Dort stößt man auf Schritt und Tritt auf zukunftsweisende Ideen, wie eine Delegation der Rottendorfer Grünen feststellen konnte.

Ressourcen optimal nutzen

Angeregt durch das theoretische Konzept der Postwachstumsökonomie haben sich die Gründerväter und -mütter des Zukunftshauses Gedanken gemacht, wie sich die Theorie in die Praxis umsetzen ließe. Dabei haben sie vier tragende Säulen an einem zentralen Ort zusammengefügt: TauschenReparierenMieten und nachhaltig Kaufen. Und das alles mitten in der Altstadt von Würzburg, die Straßenbahnhaltestelle direkt vor der Tür.

Ulrich Emmerling, einer der Geschäftsführer und Genossenschafter, erläuterte den Gästen aus Rottendorf äußerst engagiert und kurzweilig, wie der Laden funktioniert. Äußerst beliebt ist das Angebot, Dinge zu reparieren statt wegzuwerfen. Das Zukunftshaus bietet selber Ehrenamtliche, die sich der defekten Geräte annehmen, oder vermittelt kompetente und erprobte Stellen, die sich spezialisiert haben.

Unheimlich sinnvoll auch die Option, sich Geräte ausleihen zu können, statt sie anzuschaffen – und dann stehen sie daheim doch nur rum, weil man sie nie wieder braucht. Für den Kindergeburtstag eine Crêpesbackstation? Eine Schleifmaschine für die Renovierung? Spiele? Für die Fete am Samstag eine Lautsprecherbox? Alles kein Problem! Und sogar ganz leicht online zu buchen! Der umfangreiche Katalog überzeugt. Darüber hinaus existiert eine Kooperation mit einem Verleiher von Musikinstrumenten.

Ebenfalls bereits sehr gut angenommen sind die Tauschmöglichkeiten. Man kann etwas abgeben, etwas mitnehmen. Das Schöne dabei ist, dass man nicht gezwungen ist, beides zu kombinieren. Man kann also mitnehmen, ohne zu bringen. Und abliefern, ohne mitnehmen zu müssen. Sogar iPhones und iPads werden angenommen, die dann von Fachleuten ein Upgrade erfahren und verkauft werden. Reduziert Müllberge und erfordert nicht so viele seltene Rohstoffe! Schont auch noch den Geldbeutel.

Mann mit roter Jacke steht vor einem drehenden Regal und sieht sich dessen Inhalt - Socken - an.
Vom Küchengerät bis nachhaltig produzierte Socken, im Zukunftshaus lässt sich (fast) alles finden.

Neuwaren der ganz besonderen Art

Über den Verkauf von neuen Waren hat man sich besonders intensive Gedanken gemacht. Es gibt einige Kriterien, von denen das Angebot möglichst viele, am besten alle, erfüllen sollte. Da Matthias Pieper, weitere treibende Kraft in der Geschäftsführung, seine Wurzeln im Weltladen hat, war natürlich klar, dass fair gehandelt sein muss. Keine Ausbeutung, keine Kinderarbeit! Weitere Anforderungen an die Produkte sind umweltschonende Erzeugung, am liebsten in der Region, Recycling, Sparen von Verpackung und so fort.

Das klingt jetzt alles schon fast normal, so im grünen Rahmen. Aber weit gefehlt! Welch grenzenloser Einfallsreichtum hier präsentiert wird, hat die Interessierten aus Rottendorf glatt umgehauen! Da gibt es chice und bequeme Schuhe mit Sohlen aus recyceltem Kork. Ein nachwachsender Rohstoff, der sich obendrein dadurch auszeichnet, dass er weich und temperaturstabil ist. Das Obermaterial der Winterstiefel besteht aus echter Schafwolle. 

Matthias Pieper zeigt den Delegierten aus Rottendorf die Produkte des Zukunftshauses. Er steht mit drei weiteren Personen vor einem Regal mit Küchenutensilien.
Matthias Pieper zeigt den Delegierten aus Rottendorfern das große Angebot des Zukunftshauses.

Verblüffende Beispiele

Ein anderes Projekt ist aus genauem Hingucken auf dem Schrottplatz gewachsen: Rucksäcke aus gefärbten Airbags mit Gurten und Schnallen, die einstmals ihren Dienst als Sicherheitsgurt versehen haben. Woanders liegen auf den umfunktionierten Kabeltrommeln, die dem Laden als Ausstellungsfläche dienen, Gürtel aus ehemaligen Fahrradreifen. Sie sehen wirklich cool aus!

Auch Lebensmittel werden angeboten und zwar im genormten Pfandglas, das in jedem Supermarkt zurückgegeben werden kann. Bioprodukte aus der Region, in einem inklusiven Betrieb abgefüllt. Statt energieintensivem Nassfutter in Dosen für Waldi und Miezi kann man im Zukunftshaus trockenes Futter, das zu einem guten Teil sogar vegetarisch ist, erwerben. Sehr praktisch auf Reisen, man muss es nur mit Wasser anrühren.

Es gibt außerdem Geschirr, Seife, Leinenbeutel für den Einkauf beim Bäcker, Schreibwaren, Teelichter ohne Aluminium, Handtücher – die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen! Unbedingt erwähnenswert noch die ausgefallene Idee, aus ehemaligen Feuerlöschern, Vasen und Halterungen für Toilettenbürsten herzustellen. Am besten begibt man sich selber mal auf Entdeckungstour. Aber Zeit mitbringen, denn es gibt unglaublich viel zu stöbern!

Für mehr Infos rund um das Zukunftshaus, schau doch mal auf deren Webseite vorbei: https://www.zukunftshaus-wuerzburg.de

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