Bürgermeisterkandidatin für Kirchheim

  • 36 Jahre
  • 3 Kinder
  • Apothekerin

Als gebürtige Friesin kam ich 2002 ins schöne Frankenland, um in Würzburg zu studieren. Dort lernte ich meinen Mann kennen und nachdem unsere ersten zwei Kinder geboren wurden, kauften wir 2012 ein altes Bauernhaus in Kirchheim, um es in liebevoller Detailarbeit zu renovieren, da mein Mann und ich beide den Charme alter Häuser lieben.

Sanierung ist Ressourcenschutz

Für uns war von Anfang an klar, dass wir ein altes Haus herrichten wollen, und dabei so viel ursprüngliche Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Eine Renovierung spart immense Ressourcen im Vergleich zu einem Neubau und produziert kaum Müll. Außerdem kann man mit Lehm, Kalk, Hanf, Stroh und anderen natürlichen Baumaterialien sehr kostengünstig und baubiologisch arbeiten.

Meine Wahlheimat: Die Gemeinde Kirchheim

Mit dem Kauf des Hauses hatte ich am Ende einer lange Suche endlich meine neue Heimat gefunden! Seitdem engagiere ich mich in den örtlichen Vereinen, dem Kindergarten und der Grundschule. 2014 trat ich zum ersten Mal auf der Grünen Liste zur Gemeinderatswahl an. Wir als Grüne organisierten in den letzten sechs Jahren viel: eine Podiumsdiskussion über TTIP, Plastikfasten 2015, verschiedene Natur-Spaziergänge und Vorträge: über Wildbienen, die Plastik- und Müllproblematik, Insektensterben, den Zustand des Waldes und vieles mehr.

Was treibt mich an?

In den letzten Jahren musste ich zusehen, wie viele Entscheidungen getroffen wurden, die meinem Verständnis von Natur-, Klima- und Ressourcenschutz in keiner Weise entsprachen. Deshalb kandidiere ich dieses Jahr nicht nur als Gemeinderätin, sondern auch als Bürgermeisterin. Ich denke, dass ein*e Bürgermeister*in vor Ort wohnen sollte. Da ich den Rest meines Lebens in Kirchheim verbringen möchte, und meine Kinder hier aufwachsen, werde ich andere Schwerpunkte setzen.

An die Zukunft der Kinder denken

Für mich als Mutter ist ein gutes Leben für alle Kinder und die kommenden Generationen das Wichtigste. Die größte Herausforderung, vor der wir stehen, ist die Bewältigung der Klimakrise und ihrer Folgen. Schon jetzt spüren wir die Auswirkungen wie Hitzewellen, Dürren, Extremwetterereignisse, Starkregen, sinkende Grundwasserspiegel und vieles mehr. Als Bürgermeisterin werde ich bei jeder Entscheidung die Auswirkungen auf das Klima berücksichtigen, so wie ich es auch schon im Privaten tue.

Klimaneutrale Gemeinde

Ich strebe an, dass Kirchheim zu einer klimaneutralen Gemeinde wird, das heißt, wir verbrauchen nicht mehr Energie, als wir selber produzieren können. Dies können wir durch einen Ausbau der erneuerbaren Energien erreichen, aber auch durch einen maßvollen Ressourcenverbrauch, der den Energiebedarf senkt. Durch lokal erzeugte Hackschnitzel soll der Wärmebedarf der Gemeinde gedeckt werden, idealerweise in Form eines Blockheizkraftwerkes (BHKW), das gleichzeitig Strom und Wärme produziert.

Die Hackschnitzel stammen aus Schnittgut von Pflegemaßnahmen bzw. Holz, das infolge der Klimakrise im Wald anfällt. Neuanpflanzungen von Hecken und Kurzumtriebsplantagen, die alle paar Jahre auf den Stock gesetzt werden (also in Höhe von 10-20 cm abgeschnitten werden), sorgen in Zukunft für ausreichend Material.

Nachwachsende Rohstoffe

Bei mir hat die Umnutzung vorhandener Gebäude Priorität vor Neubauten. Wenn von der Gemeinde etwas neu gebaut wird, soll dies mit nachwachsenden Rohstoffen (Holzbauweise, Hanfdämmung) geschehen, die Energieversorgung muss komplett ohne fossile Energieträger erfolgen (Heizung mit Holzhackschnitzeln oder Wärmepumpe, PV-Anlage, Solarthermie für Brauchwasser). Auch sonstige Baumaßnahmen sollen mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der umgebenden Natur erfolgen. Ich werde Privatleute dabei unterstützen, ihr Haus zu sanieren, statt abzureißen und etwas Neues zu bauen, die Verwendung der o.g. Baumaterialien will ich fördern.

Neubaugebiet

Neue Baugebiete müssen als ökologische Mustersiedlungen entwickelt werden. Sie brauchen eine zentrale Wärmeversorgung (Hackschnitzel-BHKW, s.o.), Photovoltaik  für den eigenen Strom, Solarthermie zur Unterstützung der Brauchwasser-Erwärmung, Zisternen mit angeschlossener Versickerung des Oberflächenwassers, Dach- und Fassadenbegrünung und als Baumaterialien nachwachsende Rohstoffe.

Schutz unseres Wassers

Zum Schutz des (Grund-)Wassers müssen alle neu gebauten Dachflächen an eine Zisterne angeschlossen werden, der Überlauf muss lokal versickert werden. Flachdächer sollen begrünt werden, damit sie das Wasser länger zurück halten. Der Umbau des Ablaufs bestehender Dachflächen muss von der Gemeinde gefördert werden, damit möglichst wenig Wasser in die Kanalisation bzw. direkt in die Bäche geleitet wird. Dies ist auch der beste Hochwasserschutz. Als Schutz vor Austrocknung der Böden muss dieser mehr beschattet und vor Wind geschützt werden. Ich werde entlang der Gemeindewege Hecken und Bäume pflanzen. Diese sind auch für den Erhalt der Artenvielfalt notwendig.

Verträgliches Kleinklima

Hitzetage werden zunehmen, darunter leiden v.a. unsere Kinder, aber auch unsere älteren Mitbürger. Um das Kleinklima in den Gemeindeteilen zu verbessern, möchte ich jegliche Begrünungen fördern. Pflanzen sorgen für Schatten, so dass sich Fassaden und gepflasterte Flächen nicht so aufheizen und diese Wärme nicht noch lange nachts abgeben. Außerdem kühlen Pflanzen aktiv durch Verdunstung. Ich werde Fassaden- und Dachbegrünungen fördern, öffentliche Flächen so gering wie möglich versiegeln bzw. entsiegeln und bepflanzen, Baumpflanzungen in Privatgärten fördern und eine kostenlose Beratung über pflegearme, aber grüne Gärten für Privatpersonen anbieten, um ein Ausbreiten der Steingärten zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil von vielen Blättern ist die Reinigung der Atemluft von Feinstaub.

Baumschutz

Sobald es Bedenken gibt, dass ein gemeindeeigener Baum nicht mehr verkehrssicher ist, wird er von qualifizierten Baumpflegern begutachtet. Meistens reicht ein fachmännischer Schnitt aus, um die Verkehrssicherheit wieder herzustellen. Eine Kappung schadet mehr, als sie nützt, ein Fällung ist im Normalfall nicht nötig. Falls doch einmal ein Baum entnommen werden muss, wird an gleicher Stelle ein Baum gepflanzt, der eine mindestens ebenbürtige biologische Wertigkeit hat.

Privatpersonen bietet die Gemeinde kostenlose qualifizierte Beratung an, damit nach Möglichkeit große, alte Bäume in Privatgärten erhalten bleiben.

Artenvielfalt

Diese o.g. Maßnahmen, also Gewässerschutz und Begrünung, beleben automatisch die Artenvielfalt. Außerdem möchte ich 10% des Gemeindewaldes aus der Nutzung nehmen und einen natürlichen Waldumbau fördern.

Bei Neuanschaffung von Beleuchtungsanlagen muss auf die Lichtfarbe geachtet werden, da kaltweißes LED-Licht Insekten aktiv tötet (und nicht „nur“ nachts verwirrt). Dies gilt auch bei der Auswechselung von Leuchtmitteln. Die bestehenden Beleuchtungen müssen auf den Prüfstand gestellt und ein Beleuchtungskonzept entwickelt werden. Wo möglich, sollen Laternen ab einer bestimmten Uhrzeit gedimmt oder abgeschaltet werden. Dies spart Energie und Geld und hat einen positiven Effekt auf unser Allgemeinwohl, da wir die Nacht wieder als dunkle Ruhezeit wahrnehmen können.

Stärkung ÖPNV

Um die Emissionen des Verkehrssektors zu reduzieren, setze ich mich auf Kreistagsebene dafür ein, dass der ÖPNV günstiger wird. Wir haben eine sehr schnelle Zugverbindung in die Würzburger Innenstadt. Damit mehr Bürger diese nutzen, werde ich die Fahrkartenbörse ausbauen, bei der man sich günstig ein Ticket leihen kann, bis die Kosten gesenkt werden. U.a. soll auch die Gemeinde so ein Ticket anbieten. Außerdem soll eine Mitfahrer-App entwickelt werden, in der sich Mitbürger eintragen können, die (regelmäßige) Fahrten anbieten bzw. suchen. Zusätzlich ist es wichtig, einen Bürgerbus einzurichten, der Kirchheim mit Kleinrinderfeld verbindet, da es dorthin keine direkte Verbindung gibt.

Lebenswerter Innenort

Die Innenorte beider Gemeindeteile müssen aufgewertet werden, die o.g. Maßnahmen wie Altbausanierung statt Neubau und Begrünung (verbunden mit Fein-(und Grob-)staubreduzierung und Kleinklima-Verbesserung) gehören schon dazu. Weiterhin setze ich mich dafür ein, dass die Geschwindigkeit des Verkehrs reduziert wird, damit Radfahrer und Fußgänger sicher unterwegs sein können. Dies kann mit Tempo-30-Zonen, baulichen Veränderungen, aber auch Kontrollen erreicht werden.

Naherholung für jung und alt

Eine gemeindeeigene Fläche soll zu einem baumreichen Park entwickelt werden. Für jedes neugeborene Kind pflanzt die Gemeinde dort einen Baum, es können aber auch die Bürger*innen nach Antrag dort einen Baum zu besonderen Anlässen pflanzen (Hochzeit, Kommunion etc.) Das Gebiet wird von der Gemeinde gepflegt, mit Sitzgelegenheiten versehen und kann als Erholungsfläche genutzt werden.

Nahversorgung

Um der Wegwerf-Mentalität entgegen zu treten, möchte ich ein „Reparatur-Stüble“ aufbauen: ein Raum, ausgestattet mit diversem Werkzeug, in dem sich jung und alt treffen und ihre Erfahrungen austauschen können. Es kann dort gebastelt, repariert, geflickt, genäht usw. werden.

Kirchheim ist nicht nur von Steinbrüchen, sondern auch von Landwirtschaft umgeben. Ich möchte die Vermarktung regionaler Erzeugnisse bei uns in den Ortsteilen voranbringen, z.B. mit der Etablierung eines „Grünen Marktes“ oder eines Dorfladens.

„Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.“

Götz Werner