Aus der Praxis eines Heizungsexperten

Spannender Vortrag über Wärmepumpen und andere Heizsysteme.

Foto vom Publikum von hinten.
Das Auditorium im Bürgerkeller. (Foto: Britta Huber)

Ochsenfurt.  Der Bürgerkeller war am Sonntagnachmittag gut gefüllt: Im Rahmen einer Infoveranstaltung der Grünen Ochsenfurt stand ein Vortrag über Wärmepumpen mit einem Vergleich der unterschiedlichen Heizsysteme auf dem Programm: Werner Narr, Dipl.-Ing. (FH) Elektrotechnik, der etliche Heizungen selbst geplant, projektiert und eingebaut hat, berichtete von seinen Erfahrungen aus der Praxis und gab einen ausführlichen Marktüberblick. Der Karlsfelder selbst trat vor Kurzem den GRÜNEN bei, weil er den populistischen Tönen gegen Energiewende und Klimaschutz etwas entgegensetzen wollte. Und weil er den Kindern später noch gerade in die Augen schauen möchte.

Der Betrieb einer Wärmepumpe sei heute schon die kostengünstigste Variante, mit der man heizen könne. Narr räumte mit dem oft gehörten Vorurteil auf, dass dies nur für Neubauten gelte. Auch für Altbauten – mit wenigen Ausnahmen – stelle die Wärmepumpe die günstigste Möglichkeit dar.

Dazu führte er neben Preisrecherchen auch Untersuchungen des Instituts Solare Energiesysteme ISE des Fraunhofer Instituts an: Dabei wurden Wärme­pumpen im Altbau untersucht (das älteste Haus mit Baujahr 1919). Die dort vorgefundenen Luft/Wasser-Wärmepumpen hatten eine Jahresarbeitszahl JAZ zwischen 2,6 und 4 mit einem Durchschnitt von 3. Eine Jahresarbeitszahl von 3 bedeutet, dass eine Wärmepumpe 3-mal so viel Heizenergie produziert, wie an Strom verbraucht wird. Die anderen untersuchten Heizungsarten Öl, Gas und Holzpellets können in günstigsten Fällen die Ausgangsenergie ungefähr 1:1 in Wärme umsetzen. Das bedeutet, dass Öl-, Gas- oder Pelletheizungen aus 1 kWh Brennstoff maximal 1 kWh Wärme erzeugen können, wobei die Effizienzverluste noch gar nicht einberechnet sind. Eine Wärmepumpe dagegen mit Jahresarbeitszahl 3 macht aus 1kWh Strom 3 kWh Wärme (In Neubauten seien sogar 5 kWh möglich.)

Foto von Werner Narr mit Mikrofon in der Hand und kleinem Laserpointer - mit dem Körper zur Seite, vermutlich dem Publikum, zugewandt.
Der Referent Werner Narr. (Foto: Britta Huber)

Empört äußerte sich Narr deshalb über polemische Äußerungen aus anderen politischen Lagern, die die Wärmepumpe schlecht machen: „Die müssen dann schon Quellen nennen, wenn sie die Zahlen der Experten des Fraunhofer-Instituts mit diesen eindeutigen Ergebnissen anzweifeln wollen!“

Narr kam auch auf die Fernwärme zu sprechen, die sowohl finanziell als auch bezüglich CO2-Fußabdruck ganz gut dastehe. Allerding nur, wenn die Warmwasserzubereitung mit erneuerbaren Energiequellen betrieben werde.

Die Wärmepumpe sei übrigens keine neue Erfindung. Sie nutze genau dasselbe Prinzip wie Klimaanlagen, Kühlschränke, Wäschetrockner etc. Auch in jedem E-Auto sei eine Wärmepumpe integriert. Auch das Gebäude-Energie-Gesetz GEG sei nichts Neues, sondern nur eine Novelle des früheren Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG.Auch zu den Anschaffungspreisen hatte er interessante Vergleiche dabei: Zwar seien die Wärmepumpen teurer als vergleichbare andere Heizungsformen, aber mit der bereits heute bestehenden finanziellen Förderung sei der Unterschied gar nicht so groß. Rechne man hinzu, dass die jährlichen Wartungskosten günstiger und die Brennstoffkosten deutlich niedriger seien, zeige sich die Wärmepumpe als klarer Sieger. 

Zwischendurch ließ Narr ein Lärmmessgerät herumgehen, damit die Gäste sich von den Phonzahlen der Gesprächskulisse im Bürgerkeller (ca 60 Phon) im Vergleich zum Lärm von Wärmepumpen (zwischen 50 und 65 Phon) ein Bild machen konnten. „Je größer der Ventilator und der Wärmetauscher der Wärmepumpe, desto geringer sind die Geräusch­emissionen“, meinte Narr dazu. Zum Abschluss gab Narr den Gästen noch eine Checkliste für den Heizungs­tausch mit.

Statistik mit dem Titel "Heizkostenvergleich Einfamilienhaus ca. 3.000 Liter Heizöl"

Der Ortsvorsitzende Charles Leineweber dankte Ingenieur Narr für seinen detailreichen und faktenbasierten Vortrag, der die Gäste auch nach drei Stunden geballter Information nicht ermüdete: „Damit nehmen wir nämlich die Menschen ernst und geben Hilfestellung anstatt mit Angst und Unwahrheiten zu werfen. Während in der öffentlichen Diskussion über Wärmepumpen bisher hauptsächlich die Kosten und somit wirtschaftliche Kriterien im Vordergrund standen, konnten wir hier mit einigen Vorurteilen und Falschinformationen aufräumen und Vertrauen schaffen.“ Das Schöne sei doch, dass man mit dem Einbau von Wärmepumpen einen maßgeblichen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leiste und somit helfe, dass die Welt auch für unsere Kinder noch lebenswert bleibe. Und das sei doch eigentlich die wichtigste Aufgabe der Politik.

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