Kritischer Spaziergang mit Christian Zwanziger und Karen Heußner

Die GRÜNEN Ochsenfurt wollen Flächenfraß am Oberen Dümmersberg stoppen

Ochsenfurt. Viel Interesse weckte die Einladung der GRÜNEN Ochsenfurt zum Flächenfraß-Spaziergang rund um das geplante Wohnsiedlungsgebiet „Oberer Dümmersberg“ mit anschließendem Rundem Tisch.

Mit ca. 50 Teilnehmer*innen war die Veranstaltung ein großer Erfolg.

Als Experten hatten die Ochsenfurter GRÜNEN den Landtagsabgeordneten Christian Zwanziger, Sprecher für Landesentwicklung, eingeladen. Schon allein der Aufstieg über die Kniebreche verfehlte seine Wirkung nicht. „Hierneben dieser steilen Treppe soll also ein Radweg entstehen?“ staunte auch Zwanziger, „Ich fahre leidenschaftlich gern Fahrrad, aber bin doch skeptisch, wie viele Menschen über diesen Weg ihren Einkauf vom Supermarkt nach Hause bringen würden.“

Über das Ansinnen der Stadt Ochsenfurt, hier eine fußläufige Verbindung vom geplanten Wohnsiedlungsgebiet „Oberer Dümmersberg“ zur Nahversorgung und in die Stadt zu schaffen, schüttelten auch die Teilnehmer*innen der Veranstaltung ungläubig den Kopf.

Ein Gefühl für die Dimensionen bekam die Gruppe, als sie die Mitte des geplanten Baugebiets erreichte und Britta Huber, GRÜNE Stadträtin, ihnen anhand von Planunterlagen zeigte, dass sie bisher nur die erste Hälfte abgegangen waren und die zweite Hälfte der Wohnsiedlung erst noch folgen würde.

Denn am Oberen Dümmersberg soll ein 27 Fußballfelder großes Wohngebiet für 550 Wohneinheiten bzw. 1400 Einwohner entstehen. Was viele nicht wussten: Dieses Wohnsiedlungsprojekt würde es nur in Kombination mit der Gewerbegebietserweiterung Hohestadt-Süd und einer Umgehungsstraße über Hohestadt geben.

Denn die BayernGrund, Dienstleister für Zwischenfinanzierung und Abwicklung des Dreifachprojekts, sieht die Machbarkeit nur gegeben, wenn alle drei Teilprojekte komplett umgesetzt werden. Eine abgespeckte Version wird es nicht geben. Hinzu kommt, dass das Gesamtprojekt innerhalb von 15 Jahren realisiert sein muss. Dabei wird schon allein die archäologische Begutachtung auf fünf Jahre geschätzt.

Die Umgehungsstraße soll die Südtangente vom erhöhten Verkehrsaufkommen durch Gewerbegebiet und Wohnsiedlung entlasten. Die GRÜNEN befürchten dagegen, dass die bestehenden Wohnsiedlungen Hohestadt, Westsiedlung und Tückelhausen durch die Umgehungsstraße in ihrer Wohnqualität beeinträchtigt werden.

Offene Fragen waren, ob eine so große neue Siedlung überhaupt sinnvoll bzw. notwendig ist und welche Auswirkungen diese neue Wohnsiedlung zusammen mit dem neuen Gewerbegebiet Hohestadt-Süd, zum Beispiel auf die Innenentwicklung der Kernstadt und der Ortsteile oder auf die Verkehrsströme hat.

„Nicht zu unterschätzen sind auch die Auswirkungen der Flächenversiegelung auf das Überschwemmungsrisiko bei Starkregenereignissen, wie wir sie in Zukunft im Rahmen des Klimawandels immer häufiger haben werden“, so die GRÜNE Landrats-Kandidatin Karen Heußner.

Bei der anschließenden Diskussion im Öchsle kamen unter anderem Fragen zu folgenden Themen auf: Werden Grundbesitzer enteignet? Wie wird mit archäologischen Ausgrabungen umgegangen? Wie sollen die Verkehrsströme geführt werden? Gibt es ÖPNV-Verbindungen? Reichen die Kindergarten- und Kinderkrippenplätze aus? Muss die neu gebaute Schule schon wieder erweitert werden? Auch die anwesenden Ochsenfurter Landwirt*innen zeigten sich nicht begeistert von den Plänen für die neue Siedlung und die Gewerbegebietserweiterung. Denn ihnen würden durch die Bebauung weitere wertvolle Ackerböden verloren gehen und die im Austausch angebotenen Ausgleichsflächen wären qualitativ und von der Entfernung unattraktiv.

Zwanziger berichtete auch mit Anekdoten über den parlamentarischen Prozess beim GRÜNEN Gesetzesentwurf Flächensparen und gab noch praktische Tipps, was Ochsenfurt unternehmen könne, um flächensparendes Bauen zu fördern und Versiegelung zu begrenzen. Zum Beispiel durch Flächenrecycling, Nachverdichtung oder durch einen geförderten kommunalen Flächenmanager. Gemeinsam mit interessierten Bürger*innen kamen die Ochsenfurter Grünen letztendlich zum Schluss, dass die geplante Dimension des Gesamtprojekts einfach nur Wahnsinn wäre und dieses Baugebiet nicht realisiert werden darf. Lieber sollten die landwirtschaftlichen Flächen und die bestehenden Biotope erhalten bleiben, auch im Sinne des Landschaftsschutzes.

v.l.: Britta Huber (Stadträtin), Christian Zwanziger (MdL, Sprecher für Landesentwicklung und Tourismus), Karen Heußner (Landratskandidatin), Thomas Lauer (Stadtratskandidat Platz 2), Werner Binnen (Stadtratskandidat Platz 24), Stefan Rettner (Kreistagskandidat Platz 14), Teilnehmer, Josef Meixner (Stadtrat, Kreistagskandidat Platz 18), Jan Kohlhepp (Stadtratskandidat Platz 6)

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